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ethik und moral
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anna-moos |
#1 - 22.01.07 17:19:15
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Beiträge: 924
Nachricht an User
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da zur zeit nicht ein spannender thread behandelt wird, hier mal der scheue versuch, eine anspruchsvolle thematik ins forum zu bringen...
deshalb hier einige fragen zu denen ich gerne eure meinung hören würde:
-ist moral etwas subjektives?
-hat der mensch -quasi instinktiv- eine moralvorstellung in sich, oder wird sie ihm anerzogen?
- hat der mensch das recht (oder die pflicht??) in die traditionen anderer kulturen einzugreifen (z.B. beschneidung von frauen, etc.) und ihnen somit eine fremde moralvorstellungen aufzuzwingen?
ich hoffe auf einige interessanten gedanken und diskussionen.
attention......
.....GO!!!
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Prof.Lochner_vo... |
#2 - 22.01.07 18:18:38
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Beiträge: 7760
Nachricht an User
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Also, um erstmal reinzukommen in die Materie einige kurze, knappe Repliken:
Zu 1. Ja, Moral ist letzendlich etwas vollkommen subjektives, das von Mensch zu Mensch bzw. von Gesellschaft zu Gesellschaft anders definiert und praktiziert wird.
zu 2. Trotzdem hat der Mensch eine, wenn man so will gottgegebene, auf jeden Fall a priori vorhandene Moralvorstellung, die unabhängig von Erziehung oder Konditionierung besteht. Dazu gehören beispielsweise die Tötungshemmung und das Gerechtigkeitsempfinden. Allerdings interpretiert der einzelne Mensch bzw. die einzelne Gesellschaft diese moralischen Gesetze jeweils anders, was zu dem in 1. von mir angesprochenen Phänomen führt. Ein Beispiel: In jeder Gesellschaft ist bedingungsloses Töten unter Strafe gestellt, die Ausnahmen von dieser Regel (Notwehr, Todesstrafe) sind jedoch überall anders definiert.
zu 3. In gewissem Rahmen schon, denke ich. Allerdings ist es eine schwere Frage, wann dieser konkrete Fall denn nun tatsächlich eintritt. Abwiegen muss man auf jeden Fall stets, ob die vermeintlich Hilfsbedürftigen die Hilfe überhaupt wollen. Gegen seinen Willen kann man niemanden glücklich machen - ein Umstand, den die westliche Wertegemeinschaft nebenbei oft genug zu vergessen geneigt ist. Außerdem besteht rasch die Gefahr, die eigenen Werte für überlegen und/oder allgemeingültig zu halten - was, wie in 1. ausgeführt, nicht der Fall sein kann.
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Frostwrath |
#3 - 22.01.07 18:53:11
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Beiträge: 260
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Laut allgemeiner Definition umfasst Moral das Verständnis von Normen und Werten, folglich könnte man es als eine Art inneren Handlungskompaß bezeichnen.
Da Realität meiner Meinung nach eine Standpunktfrage (~ relativ) ist, ein Individuum also die Welt um sich herum so wahrnimmt wie er sie es kann, respektive will, wäre auch Moral ein relativer Begriff, da Moral logischerweise auch von der Realitätswahrnehmung/~-konditionierung resultierend ist.
Wie Prof. H. schon anmerkte, sind gewisse Basismoralvorstellungen quasi angeboren, wie stark deren Gewichtung jedoch ist, hängt (u.a.) vom Einzelnen, sowie dessen/deren Erfahrungen und sozialem Umfeld ab.
-mMn. ist Moral eine veränderliche Vorstellung die durch Erfahrung, Erziehung, Realitätsempfinden/wahrnehmen geprägt ist, sie kann unsere Handlungen maßgeblich beeinflussen, inwiefern man dann noch von "freiem Willen" sprechen kann, ist fragwürdig, da die individuelle Moral auch durch soziale Interaktionen geformt wurde.
Für mich persönlich sind die Begriffe "Recht" und "Pflicht" schwer einzuschätzen, insofern: Was ist Recht?, was oder wer legitimiert den Richtigkeitsanspruch meiner Handlungen, was verpflichtet mich dazu(?) - augenscheinlich doch meine Moralvorstellungen.
Ein Beispiel:
Ich könnte soeben einen lieben Menschen verloren haben, oder aber Vater geworden sein, ich stehe gerade auf der Krankenhausdachterasse und sehe, wie jemand gerade über die Brüstung klettert und es scheint, als würde diese Person sich durch einen Sprung umbringen wollen.
Laut Gesetzgeber wäre es unterlassene Hilfeleistung wenn ich nicht einschreite, folglich habe ich gewissermaßen die Pflicht zu handeln; es sei denn, mein "Freier Wille" ist bereit, die Konsequenzen durch Unterlassung zu tragen, juristisch oder seelisch[Gewissen] sei dahingestellt.
Habe ich das Recht diese Person davon abzuhalten?
(Der Verfasser des Zitats ist mir leider entfallen)
"Jeder Mensch hat das Bestreben Glückseeligkeit zu erlangen, auch die, welche mit dem Strick hingehen um sich am Baum zu erhängen"
Abhängig von den oben genannten Szenarien (Vater, verstorbene Bezugsperson) wäre meine Moralvorstellung in Bezug auf Leben und dessen Wert beeinflusst, aber ob ich das Recht dazu habe dieser Person meine Moralvorstellung, in diesem Falle über das Leben, aufzuzwingen, ist fraglich.
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spaselmacke |
#4 - 23.01.07 09:15:16
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Beiträge: 186
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-hat der mensch -quasi instinktiv- eine moralvorstellung in sich, oder wird sie ihm anerzogen?
Ich kann mich dunkel an Immanuels kategorischen Imperativ erinnern, dem "Gesetz in mir".
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Prof.Lochner_vo... |
#5 - 23.01.07 12:53:16
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Beiträge: 7760
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Bei Bukowski, dem Herrn auf Ihrem Profilbild, beinhaltete der kategorische Imperativ hingegen wohl eher etwas von "dem Schnaps in mir". Auch eine Moral.
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anna-moos |
#7 - 23.01.07 18:19:17
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Beiträge: 924
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war der kategorische imperativ nicht so was in der art von:
„Handle so, dass dein Handeln jeder Zeit zur Maxime des Handelns erhoben werden kann.“
das wär dann nicht wirklich ein "gesetz in mir" oder doch?
ach übrigens, geht doch mal bei http://www.philosophersnet.com/games/
vorbei...und dort auf "morality play" oder so....ist n grosses spiel...!
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dAs_sOmMeRkInD |
#9 - 28.01.07 12:14:25
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Beiträge: 20
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Ich habe letztens von einem Modell von Habermas gelesen indem es um die Tiefgründigkeit der Absichten eines Menschen geht gut zu handeln.
1.Die Vorkonventionelle Ebene
-Ich handele immer so, dass ich nicht bestraft werde
2.Die Konventionelle Ebene
-Kant's goldene Regel "Was du nicht willst das man dir tut..."
3.Die Nachkonventionelle Ebene
-Kant's kategorischer Imperativ "Handele immer nach derjenigen Maxim..."
Ich denke soweit funktioniert das auch alles ganz gut, bis es zu moralischen Problemfällen kommt. Wer Sartre gelesen hat kennt das Beispiel: Die Oma stirbt, man müsste aber auch in der Freiheitsbewegung mitkämpfen... Was tun?
Noch nicht einmal der kategorische Imperativ kann einem da helfen, also kann man sich wieder nur selber Entscheiden. Und zwar für den Existentialismus.
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Das.Genie |
#10 - 16.05.07 00:26:11
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Beiträge: 2385
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endlich ein interessantes thema! ich werde mir gleich ein paar gedanken machen und sehr bald darauf antworten. gute nacht.
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